Glaze vom Raycast-Team hat mir in zehn Minuten eine echte Mac-App gebaut, die ich täglich brauche, und das Ergebnis sieht tatsächlich nach Mac aus.
Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Publishing-Blog.
Es gibt inzwischen viele Möglichkeiten, um mit KI eine App zu bauen. Lovable, Bolt, Cursor, Claude Code – die Liste wird fast wöchentlich länger. Manche Tools bauen aus einem Prompt eine Web-App, andere helfen beim Programmieren oder automatisieren Workflows.
Trotzdem fehlte mir bisher etwas: diese kleinen, persönlichen Werkzeuge, die sich nicht wie ein Webprojekt anfühlen, sondern wie eine richtige Mac-App. Lokal, schnell, direkt im Dock. Eine App, die Dateien per Drag & Drop entgegennimmt, genau einen Job erledigt – und das möglichst elegant.
Genau hier kommt Glaze ins Spiel. Das neue Tool vom Raycast-Team verspricht, solche Desktop-Apps per Prompt zu bauen: Ich beschreibe im Chat, was ich brauche, und Glaze macht daraus eine native Mac-App. Nicht noch ein Browser-Tool, nicht noch ein halbfertiger Prototyp, sondern ein kleines Werkzeug, das sich in den Mac einfügt.
Mein erster Test zeigt: Glaze hält dieses Versprechen. Mac-Apps entstehen wie von Zauberhand.
Ich wollte eine App, in die ich ein Bild laden kann. Danach soll die App automatisch mehrere Social-Media-Crops erzeugen: 16:9, 4:3, 5:4, Square, 9:16. Ich möchte die Ausschnitte schnell prüfen, bei Bedarf korrigieren und am Schluss alle Varianten sauber benannt auf dem Schreibtisch haben.
Bisher nutze ich dafür das fantastische Photoshop-Plug-in Social Media Toolkit Pro von Thomas Ziegler. Das funktioniert sehr gut. Aber ich muss Photoshop öffnen, das Plug-in starten und mich durch den Workflow klicken.
Da ich das aber jeden Tag mehrmals mache, ist mir das immer ein wenig zu aufwändig. Apples Shortcuts habe ich versucht. Aber da fehlt mir am Schluss die App-Oberfläche. Und Xcode ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln.
Ich habe Glaze meine Idee in meinen eigenen Worten beschrieben. Im Chat-Bot, so wie wir das von KI gewohnt sind.
Dann begann Glaze zu arbeiten.
Ich konnte zusehen, wie meine App entsteht. Glaze zeigte Überlegungsschritte, stellte ein paar Rückfragen und baute Schritt für Schritt eine erste Version. Nach rund zehn Minuten war Version 1.0 da.
Und sie funktionierte genau so, wie gedacht.
Ich schaue zu, wie Glaze meine App baut.
Natürlich ist das keine riesige Anwendung. Aber genau das ist der Punkt: Ich möchte eine kleine App, die mir im Alltag hilft und die es noch nicht gibt (oder die ich noch nicht kenne).
Selber erstellen mit Glaze ist fast schneller als im Netz danach suchen.
Was mich fast noch mehr beeindruckt hat als die Funktion: Die App sieht einfach gut aus. Nicht «KI hat halt schnell ein Interface zusammengeklickt»-gut. Sondern: Sie fühlt sich tatsächlich an wie eine normale Mac-App. Sauber, ruhig, vertraut. Mit einer Oberfläche, die nicht nach Prototyp schreit.
Das ist vermutlich kein Zufall. Raycast hat über Jahre gelernt, wie sich produktive, schnelle, tastaturzentrierte Mac-Software anfühlen soll. Man merkt, dass diese Design-Erfahrung in Glaze einfliesst.
Tadaa: die App ist fertig.
Beim Testen merkte ich schnell: Eigentlich möchte ich Bilder direkt auf das App-Icon ziehen können. So starte ich viele kleine Mac-Workflows. Datei nehmen, aufs Icon ziehen, fertig.
Version 1 konnte das noch nicht. Also habe ich Glaze einfach gesagt was mir fehlt. Zwei Minuten später lag Version 2 da
Meine App wurde aktualisiert.
Nicht nur das Erstellen von Apps wird einfacher (oder überhaupt möglich). Auch das Weiterentwickeln ist ein Klacks. Dabei macht es Glaze sehr einfach, Änderungen vorzuschlagen. Entweder im Chat. Oder dann bringe ich in der Oberfläche einfach Kommentare an, während ich am Testen bin. Wenn ein Text nicht passt, ein Element falsch platziert ist oder ich mir ein anderes Verhalten wünsche, kann ich das einfach markieren und beschreiben.
Unten rechts die Annotations-Tools, um Glaze Änderungswünsche mit zu geben.
Auch Fehler lassen sich auf diese Weise adressieren. Wenn beim Testen etwas nicht funktioniert, kann man es über den AI-Agent fixen lassen.
Wenn beim Testen mal etwas nicht funktioniert, dann kann man es über den AI-Agent fixen lassen.
Wenn ich mit meiner App zufrieden bin, kann ich sie lokal nutzen wie eine normale Mac-App. Wenn ich denke, dass sie auch für andere nützlich ist, kann ich sie im Glaze-eigenen Store publizieren. Auch dieser Prozess wird begleitet: Name, Icon, Beschreibung, Screenshots – Glaze schlägt vieles automatisch vor. Ich kann alles anpassen und die App dann mit einem Klick einreichen.
Wenn ich meine App in den Glaze-Store veröffentliche, dann startet ein automatischer Review-Prozess.
Aktuell befindet sich das Tool in einer privaten Beta. Preise, Limits und Funktionen können sich noch ändern. In meinem Test war eine kostenlose Nutzung mit 150 Credits möglich; meine erste App-Kreation verbrauchte rund 50 Credits.
Und so begeistert ich nach meinem ersten Test bin: Natürlich gibt es auch noch offene Fragen.
Gerade die Sicherheit ist mir wichtig. Wenn lokale Apps Zugriff auf Dateien und Systemfunktionen bekommen, braucht es Vertrauen, Kontrolle und klare Sicherheitsmodelle. Aber für meinen ersten Use Case war das jetzt aber noch nicht der entscheidende Punkt. Ich wollte kein geschäftskritisches System bauen. Ich wollte ein kleines Werkzeug ausprobieren.
Und dafür finde ich Glaze absolut beeindruckend.
Das Publizieren in den Glaze-Store ist kinderleicht: Hier ist meine neue App!